Das Buch Josua
Das Buch Josua und sein Verfasser
Das Buch Josua gehört inhaltlich mit den fünf Büchern Mose zusammen. In ihnen wird der Weg des Volkes Israel bis an die Grenzen Kanaans geschildert. Das Buch Josua beschreibt die Einnahme dieses Landes, das Gott seinem Volk zugesagt hatte.
Während der Wüstenwanderung Israels ist Josua der Helfer des Mose. Er wird als dessen Begleiter bei der Gesetzgebung am Berg Sinai genannt (2.M.32,17). Er spielt eine wichtige Rolle, als die zwölf Kundschafter nach Kanaan ausgeschickt werden (4. M. 13+14). Nach Moses Tod wird er von Gott als dessen Nachfolger berufen.
Unser Buch trägt den Namen Josuas, weil von ihm und seinen Taten berichtet wird.
Kapitel 1: Josuas Amt und Aufgabe
Josua, der Sohn Nuns, erhält von Gott den Auftrag, mit dem Volk Israel das zugesagte Land einzunehmen (Verses 2ff). Der Allmächtige wird ihm genauso zur Seite stehen, wie das bei seinem Vorgänger der Fall war. Furchtlos soll Josua an seine Aufgabe herantreten und sich streng an den Bund halten, den Gott mit Israel auf dem Sinai geschlossen hat (Verse 7f, vgl. 2.M.20). Dann wird der Herr mit seinem Segen gegenwärtig sein.
Folgerung für uns: Gott hat seiner Gemeinde und Kirche versprochen, dass er ihr allezeit mit seiner Macht zur Seite steht, solange sie ihm bedingungslos vertraut. Wie Josua können wir uns darauf verlassen, dass der Herr auch da über Mittel verfügt, wo wir unsere Lage für aussichtslos halten.
Kapitel 2: Eine Heldin öffnet den Weg
Ist die Dirne Rahab aus Jericho eine Verräterin? Sie hat von der gnädigen Führung des Volkes in der Wüste gehört. Das hat sie dazu gebracht, Gott als den Herrn Himmels und der Erde anzuerkennen. Deshalb hilft sie den Kundschaftern Israels. Der Herr belohnt dies Handeln: Rahab und ihre Angehörigen werden bei der Vernichtung der Stadtbevölkerung verschont und ins Volk aufgenommen (6,23;25).
So erfahren wir schon aus den ersten Büchern des Alten Testaments: Gott nimmt sich nicht nur seines erwählten Israel an. Er beruft auch einzelne aus den heidnischen Völkern. Im Laufe der Geschichte werden immer mehr Nichtjuden zum Glauben finden, bis im Opfertod Jesu am Kreuz der Zaun zwischen Israel und dem Heidentum endgültig niedergerissen ist und jedermann Zugang zum ewigen Heil finden kann (Eph. 2,14ff).
Rahab wird später im Stammbaum des Christus Jesus genannt (Matth. 1,5).
Folgerung für uns: Das Beispiel der Hure von Jericho zeigt, dass Gott bereit ist, jeden anzunehmen, wie weit er auch von ihm abgefallen sein mag. Vor ihm gilt nicht das Ansehen einer Person sondern die Bereitschaft nach ihm zu fragen.
Kapitel 3+4: Übergang über den Jordan
Weshalb wird dies Ereignis so ausführlich geschildert? Wir können es verstehen, wenn wir einiges über die Verhältnisse der damaligen Zeit erfahren. Jedes Gebiet hatte nach der Meinung der damaligen Erdenbewohner seine eigenen Gottheiten. Verließ jemand sein Land, dann kam er unter die Herrschaft neuer Götter. Was bedeutet das für Israel? Der Gott dieses Volks ist der wahrhaftige Schöpfer und Herr des Alls. Ihm kann keine Grenze gesetzt werden. Die Bundeslade versinnbildlicht seine Gegenwart. Können Kanaans Götzen seinen Einzug über den Fluß Jordan hindern? Das ist unmöglich.
Gedenksteine werden errichtet (4,20): Sie sollen die nachfolgenden Generationen daran erinnern, dass Gott über alle Völker und Länder regiert. Das musste Israel fest eingeprägt werden. Denn es stand in der Gefahr, die verkehrten Vorstellungen der anderen zu übernehmen und die heidnischen Gottheiten als gleich mächtige Götter einzuschätzen. Dagegen schließt unser Bericht mit der Feststellung: "..auf dass alle Völker auf Erden die Hand des Herrn erkennen, wie mächtig sie ist, dass ihr den Herrn euren Gott fürchtet allezeit" (Vers 24).
Folgerung für uns: Der Götzenglaube ist nicht ausgestorben, auch wenn die Idole heutzutage andere Gesichter tragen und nicht immer als Abgötter entlarvt werden. Doch es gilt: Gott ist der Herr, von ihm sind und bleiben wir in jeder Beziehung abhängig.
Kapitel 5: Erstmals Passahfest und Beschneidung in Kanaan
Zu Israels wichtigsten Festen gehört das Passah. Es wird jährlich zur Erinnerung an den Auszug aus der ägyptischen Sklaverei begangen: Gott hatte gewirkt, dass das Volk Ägypten verlassen konnte (2.M,12), Er hatte Israel die wunderbare Überquerung des Roten Meers geschenkt (2.M,14,15ff). Der Allmächtige hatte den Pharao und seine Reiter vernichtet, als sie die Flüchtigen gewaltsam zurückbringen wollten (2.M,14,26f). Allein der Herr hatte die Befreiung zuwegegebracht. Es mag sein, dass das Fest während der Wüstenwanderung nicht regelmäßig gehalten wurde - jetzt aber soll das Passah wieder jährlich gefeiert werden.
Nach Gottes Anordnung sollte jeder Junge im Alter von acht Tagen beschnitten werden. Nur so gehörte er in den Augen des Herrn zu seinem Volk: Er stand nun unter den Verpflichtungen und Zusagen, die damit verbunden waren. Während der vierzigjährigen Wüstenwanderung war die Beschneidung - Zeichen des göttlichen Bundes mit Abraham (1.M,17,10ff) - nicht durchgeführt worden.
Es war von großer Bedeutung, dass Beschneidung und Passahfeier im Land Kanaan stattfinden sollten: Die heidnischen Götzen konnten sich nicht da gegen wehren. Nicht ihnen, sondern dem wahren Gott wurden die Neugeborenen übereignet; nicht die Landesgötter (die Baalim), sondern der Allmächtige wurde in dem Gebiet geehrt, das die Israeliten neu besetzten. Der Engel des Herrn begegnet Josua, ohne dass Baal es verhindern kann. Gott schaltet und waltet hier wie in jedem Land und offenbart damit, dass ihm alle Gewalt gehört; die Götzen dagegen sind "Nichtse", Einbildungen und ohne jede Macht.
Folgerung für uns: Gott ist der Herr, auch heute, Keiner hat die Kraft, ihn an seiner Machtausübung zu hindern, Er mag in unserem Weltbild keinen Platz finden, doch der Schöpfer richtet sich nicht danach, Wir können auf ihn vertrauen und brauchen uns von keinem erschrecken zu lassen, der scheinbar tonangebender ist. Gott ist tatsächlich all-mächtig!
Kapitel 6: Was es heißt, auf Gott zu vertrauen
Die Eroberung der Stadt Jericho ist unserem Verstand unbegreiflich: Sechs Tage lang soll das Heer Israels je einmal um den Ort herumziehen, und am siebenten Tag sollen die Priester sieben Posaunen blasen, während die Festung mit der Bundeslade siebenmal umgangen wird. Kann man so eine wehrhafte Festungsstadt einnehmen? Sicher ist es dem Volk schwergefallen, eine ganze Woche lang das Gebot Gottes zu erfüllen. Und die Bewohner Jerichos mögen lachend und spottend auf ihren Mauern gestanden Doch es bewahrheitet sich, was Josua zugesagt wurde: "Siehe da, ich habe Jericho samt seinem König und seinen Kriegsleuten in deine Hand gegeben" (Vers 2). Beim Feldgeschrei des Heeres am siebenten Tag während des letzten Umzugs unter dem Blasen der Posaunen brachen die Mauern der Festung zusammen.
Man hat versucht, den Einsturz mit einem Erdbeben zu erklären. Wenn Gott es genau mit der Umwanderung durch das Volk zusammenfallen ließ, ist das genauso wunderbar, wie wenn der Herr einen anderen Weg gewählt hätte, um die Stadt in die Hände Josuas zu geben. Ob wir es so oder anders beschreiben, Gottes Tun übersteigt in jedem Fall unser Verstehen.
Diese Eroberung ließ Israel erkennen: Nicht militärische Kraft oder Klugheit führte zum Sieg, sondern ausschließlich das Eingreifen des Allmächtigen. Und: Die Weisungen des Herrn sind auch dann richtig, wenn Israel sie nicht verstehen kann und für sinnlos hält. Oder war es vernünftig, siebzig Priester beim Umzug Posaunen blasen zu lassen in der Hoffnung, die Mauern würden deshalb zusammenbrechen? Weil das Volk dennoch gehorsam war, wurde Jericho in seine Macht gegeben.
Folgerung für uns : Manchmal möchten wir es für unsinnig halten, dem Willen unseres Schöpfers zu gehorchen. Aber der Herr steht zu seinem Wort und lässt uns seine Wunder erleben, wenn wir ihm unter allen Umständen vertrauen.
Kapitel 7 und 8: Wir gehören Gott ganz - oder gar nicht
Bedingungsloser Gehorsam, das war damals so schwer wie in unserer Zeit.
Der Herr hatte verboten, dass Israel sich Beute aus Jericho aneignet. Alles soll dem Allmächtigen gehören. Einer missachtet den Befehl, und das ganze Volk muss darunter leiden. Haften alle für einen? Erst als es misslingt, die Stadt Ai zu erobern, wird Josua bewusst, dass im Verhältnis zu Gott etwas nicht stimmt: Der Angriff wird zurückgeschlagen. 36 Tote und Verluste an Kriegsmaterial sind das Ergebnis. Als Josua von Gott erfährt, dass Sünden zwischen dem Volk und ihm stehen, wird nach einem schwierigen Verfahren schließlich der Schuldige ermittelt: Achan wird gesteinigt.
Erst jetzt kann die Einnahme Kanaans unter Gottes Segen fortgesetzt werden; auch Ai wird erobert. Noch einmal ergeht der eindringliche Appell, das Leben dem Bund und Willen des Herrn gemäß zu führen.
Wir möchten fragen, weshalb Gott so hart handelt und straft. Aus der Erfahrung wissen wir, dass in der Regel die Taten eines einzelnen die Stimmung der Gemeinschaft widerspiegeln, in der er lebt. Ist zum Beispiel eine christliche Gemeinde aktiv, dann wollen sich alle beteiligen, die es ernst meinen; ist Lauheit und Gleichgültigkeit eingerissen, dann wird die Mehrheit davon geprägt. Außerdem: Wären die Anweisungen des Höchsten noch ernstgenommen worden, wenn er bereits beim ersten Mal seine Strafandrohungen nicht in die Tat umgesetzt hätte? Das Volk sollte die Einsicht lernen, dass Verachtung des göttlichen Willens wie die Pest zu meiden ist, ja dass es hier um Leben und Tod geht - für das ganze Volk! Wie in der Kirche alle Glieder einen Leib bilden, so auch im alttestamentlichen Israel. Wenn ein Glied am Körper nicht funktioniert, ist alles an ihm in Mitleidenschaft gezogen. Wie sollte Gottes Volk die kommende Auseinandersetzung mit den heidnischen Götzen und Religionen bestehen, wenn schon in so einfachen Bewährungsproben bei ihm Schwierigkeiten auftreten?
Folgerung für uns: Missachtet jemand ein göttliche Gebote, dann hat das oft Folgen für alle. Die Gerichte des Herrn machen nicht beim einzelnen halt. Das gilt auch in unserer Zeit: Wer meint, sich als Christ der Umwelt mit ihrer oft eindeutigen Gottlosigkeit anpassen zu müssen, ruft nicht nur für sich persönlich den Zorn des Höchsten hervor, sondern auch für seine Umgebung, für seine Gemeinde.
Kapitel 9: Ans Wort gebunden
Die Gibeoniter sind schlaue Leute! Sie haben erkannt, dass sie gegen Israel nichts ausrichten können. Ihre List gelingt, denn das Volk forscht nicht nach ob die Angaben stimmen, und fragen auch Gott nicht nach seinem Rat.
In Kriegszeiten muss man darauf gefasst sein, dass Täuschungsmanöver versucht werden. Gelten dann solche Versprechen, die unter falschem Vorzeichen gegeben werden? Israel muss dazu stehen, weil es seine Zusage selbst verschuldet hat. Auch die Gibeoniter müssen für ihre Lügen bezahlen: Sie werden für alle Zeit zu Holzhauern und Wasserträgern gemacht und sind so nur Volksangehörige zweiter Klasse. Heutzutage hätte man wohl nicht solche Skrupel. Wenn man schon mit dem Halten begründeter Versprechungen großzügig ist, wieviel mehr dann bei erschlichenen Zusagen! Doch wir sollten einsehen: Wie wir uns auf Gottes Wort voll und ganz verlassen können, so soll auch unser Wort uneingeschränkt gelten.
Folgerung für uns: Geben wir eine Zusage, dann müssen wir sie halten, auch wenn wir dadurch belastet werden.
Kapitel 10: Für sein Volk setzt Gott sein Naturgesetz außer Kraft
Wieder finden militärische Auseinandersetzungen statt, bei denen Israel unter Gottes Leitung erfolgreich ist. Einmal steht das Volk vor der Möglichkeit, einen wichtigen Sieg zu verschenken, da nach damaliger Gepflogenheit die Schlacht abgebrochen wird, wenn es dunkel wird; in diesem Fall wären die Feinde entkommen. Auf Bitten Israels lässt Gott die Sonne stillstehen, so dass die Nacht in Tag verwandelt ist und der Kampf erfolgreich abgeschlossen werden kann.
Gegen diesen Bericht sind eine Menge Bedenken erhoben worden. Der Wissenschaftler Velikowski hat in seinem Buch "Welten im Zusammenstoß" nachgewiesen, dass sich bei allen Völkern der südlichen Halbkugel Dokumente aus jener Zeit finden, die besagen, dass eine Nacht ausgefallen ist. Auch bei im Norden lebenden Völkern gibt es dafür Belege. Sollte Gott nicht in der Lage sein, mit seiner Allmacht die Naturgesetze zu beherrschen und zeitweilig außer Kraft zu setzen?
Unser Bericht ist in eine Reihe von Erfolgsmeldungen eingebettet, die ein hartes, ja brutales Vorgehen gegen die Ureinwohner Kanaans erkennen lassen. Weshalb das so ist, erfahren wir bei der Betrachtung der kommenden Abschnitte: Gott will es so! Es ist deutlich: Der Herr lässt seinem Volk jede Unterstützung zuteilwerden - bis hin zur Unterbrechung des Naturablaufs. So hält er seine Zusagen in einer für uns unvorstellbaren Weise.
Folgerung für uns: Im unbedingten Gottvertrauen können wir alle Hindernisse überwinden. Denn der Herr steht zu seinen Verheißungen; ihm ist nichts unmöglich. Wenn kein Naturgesetz ihm Grenzen setzen kann, dann erst recht nicht der Mensch mit seinen Wünschen und Vorstellungen. Christen vertrauen auf Gott, der versprochen hat, ihnen in jeder Schwierigkeit beizustehen - dass er dies kann, lässt sich nicht bestreiten.
Kapitel 11 und 12: Billigt Gott die Ausrottung der Kanaaniter?
Der Herr befiehlt ausdrücklich, die Kanaaniter auszurotten. Diese biblische Aussage scheint allem zu widersprechen, was wir über den Allmächtigen bisher gedacht und angenommen haben. Lässt sich diese Aussage überhaupt erklären?
In der Heiligen Schrift kommt deutlich zum Ausdruck, dass Gott die gesamte Menschheit durch das Volk Israel erlösen will. Denn aus ihm geht der Mann hervor, der unsere Schuld trägt und sühnt: Jesus Christus. Alle übrigen Völker sind dem Götzendienst verfallen, der zum Teil scheußliche Formen angenommen hat, vor allem unter den kanaanitischen Stämmen. Sie stellen eine dauernde Gefahr für Israel dar, das sich schnell von seiner Umgebung beeinflussen lässt, wie schon die Herstellung des goldenen Kalbs (2. M. 32) bewies. Der Herr straft die auf die Spitze getriebene Gottlosigkeit der Ureinwohner Kanaans und bewahrt Israel zugleich vor Verführung und Abgötterei.
Die eine oder andere Frage mag offenbleiben; doch ist die Richtung klar, in der Gott handelt. Er sieht die Herzen, er kennt die geheimsten Regungen jedes Menschen, und er hat uns geschaffen - wer will ihm wehren, seinen Willen auch im unnachsichtigen Strafen durchzusetzen? Im Namen des Faschismus, Nationalismus, Liberalismus, Marxismus und anderer -ismen beuten Menschen sich bis in unsere Gegenwart hinein schamlos aus, unterdrücken sich gegenseitig, dulden oder verursachen sogar Völkermord - mit welchem Recht wollen sie sich nun über Gott den Herrn aufregen, der in seinem Tun nicht willkürlich, sondern gerecht ist? Er verwirft alle diese ideologischen Anschauungen, aber auch diejenigen, die ihn beharrlich beleidigen und schmähen.
Folgerung für uns: Wir wollen uns davor hüten, Gott zu richten. Denn uns fehlt dazu nicht nur jede Möglichkeit, sondern auch jede Einsicht und bestimmt jede moralische Qualität. Achten wir lieber darauf, dass wir nicht selbst dem gnadenlosen Strafprozess des Herrn verfallen! Er will unser Verderben nicht. Doch wenn wir ihn zu dieser Entscheidung zwingen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn er sie endlich
Kapitel 13 bis 21: Billigt Gott erfüllt seine Zusage
Wer diese Kapitel heute liest, der mag sich fragen, was ihn daran interessieren soll. Uns scheinen sie nicht mehr viel zu sagen, wenn in ihnen aufgezählt wird, welche Gebiete Kanaans jeder Stamm Israels in Besitz genommen hat. Für das Volk selbst war die Lage natürlich anders: Es ging um den Raum, der ihm von Gott zugesagt war. Doch auch wir können daraus eine Menge entnehmen.
Als Abram, der Vorvater Israels, aus seiner Heimat in Mesopotamien gerufen wurde und die göttliche Zusage erhielt (1.M.12,1-3), standen alle Tatsachen gegen eine Erfüllung. Er sollte Stammvater eines großen Volks werden, doch bis ins hohe Alter hatten er und seine Frau Sara keinen Nachkommen. In ihm sollten alle Völker auf Erden gesegnet werden, aber da war weder Volk noch Land, das ihm gehört hätte.
Auf wunderbare Weise bekam Abram mit seiner Frau doch noch einen Sohn (1.M.21). Jahrhunderte später haben wir es mit einem Volk zu tun. Aber es war Gast in Ägypten, und eines Tages kam ein Pharao auf, der es ausrotten wollte (2. M.1, 8ff). Die Israeliten mussten aufreibende Sklavenarbeit verrichten; auf Befehl des ägyptischen Herrschers mussten alle männlichen Kinder gleich nach der Geburt getötet werden.
Wieder griff Gott ein. Durch Mose rettete er das Volk aus der Knechtschaft. Nach vierzigjähriger Wanderung durch die Wüste stand es an der Grenze zum versprochenen Land. Das aber war von überlegenen Völkern und Stämmen besiedelt und gut befestigt. Nach menschlichem Ermessen war ausgeschlossen, dass Israel sie besiegen konnte.
Doch dem Allmächtigen ist nichts unmöglich. Alle Hindernisse wurden von ihm überwunden. Er stand zu seinen Versprechen und erfüllte sie. Jeder Quadratmeter des eroberten Landes verkündete, dass der Herr zu seinen Zusagen steht. Jedes Stück Boden, jeder Ort sind wichtig. Je länger die Liste der eingenommenen Gebiete wurde, desto klarer bezeugt sie den Israeliten und auch uns: Gott hält, was er verspricht! Der Schlüssel zum Verstehen dieser Kapitelfolge ist als Zusammenfassung am Schluss zu lesen: "Und es fehlte nichts an allem Guten, das der Herr dem Hause Israel verheißen hatte. Es kam alles"(21,45).
Folgerung für uns: Was kann der Herr in unserer Zeit ausrichten? Die meisten leugnen ihn, er ist ihnen gleichgültig. Vernunft und Erfahrung beherrschen unser Weltbild, in dem für den Schöpfer kein Platz mehr ist. Auch Christen werden von dieser Denkweise beeinflusst. Trauen wir es Gott zu, dass er sein Reich und seine Gemeinde gegen die Skepsis dieser Zeit bauen kann? Dass wir nicht in unserer Zerstörungsssucht, sondern er dieser Welt das Ende setzt? Dass Jesus Christus wiederkommen wird? Diese Kapitel des Buchs Josua lassen uns erkennen, dass auf Gottes Zusage in jedem Fall Verlass ist. Unser Verstand und unser Vorstellungsvermögen setzen ihm keine Grenzen. Wie er seinem alttestamentlichen Volk geholfen und seine Zusagen erfüllt hat, so wird es auch sein neutestamentliches Volk, die Christenheit, erleben.
Kapitel 22: Einer trägt des anderen Last
Die Stämme Ruben und Gad und der halbe Stamm Manasse sollten mit dem ganzen Israel für die Landnahme streiten. Ihnen war das Ostjordangebiet zugesprochen, und das war als erstes erobert worden. Dies durfte sie nicht davon abhalten, den übrigen Stämmen bei der Besitznahme ihres zukünftigen Lebensraums zu helfen. Erst als Josua sie entlässt, beginnen sie mit der Aufbauarbeit ihrer eigenen Heimat.
Doch nun treten Schwierigkeiten auf. Die Stämme des Ostjordanlands errichten einen eigenen Altar. Wenn Israel aber Gott den Herrn an verschiedenen Orten anbetet und ihm opfert, zerfällt die Einheit. Um das zu verhindern, beschließen die übrigen Stämme, ein Heer auszusenden, das den Bau verhindern soll, Ja, sie befürchten, dass ihre Brüder sich sogar zu den heidnischen Götzen gewendet haben und so des wahren Gottes Zorn und Strafe über das gesamte Volk heraufbeschwören.
Am Ort Silo kommt es zur Aussprache. Die Bewohner des Ostjordanlands können nachweisen, dass sie den Gottesdienst Israels nicht spalten wollen, Sie möchten ihren Altar vielmehr zum bloßen Zeugnis für ihre Kinder errichten, damit diese nie vergessen, Gott zu loben und trotz der weiten Entfernung von den anderen ihr Opfer gemeinsam mit ihnen zu bringen. Die Sendboten geben sich mit der Auskunft zufrieden und berichten davon; die Stämme des Westjordanlands nehmen den Bericht an und blasen die geplante Strafaktion ab. Der neue Altar erhält den Namen: "Dass er Zeuge sei zwischen uns, dass der Herr Gott ist"(Vers 34).
Folgerung für uns: Im Volk Gottes wird Gemeinschaft gelebt - das können wir von Israel lernen. Ebenso bedeutend wie mein Schicksal ist das des anderen. Deshalb ist wichtig, dass wir auch Zeit und Kraft in der christlichen Bruderschaft einsetzen. Wenn wir das tun, dann erleben wir, was die Bibel meint, wenn sie von der Gemeinde als dem Leib Jesu Christi (Eph. 1, 22) spricht.
Kapitel 23 und 24: Nur unter Gottes Ordnung gibt es erfülltes Leben
Josua hat seinen Auftrag im Großen und Ganzen abschließen können. Bevor er stirbt, ruft er das Volk zu Landtagen zusammen, um es auf seine Zukunft hinzuweisen, Gott selbst hatte es geführt und sein Schicksal in die Hand genommen; ohne seine Hilfe hätte das "Unternehmen Landnahme" keinen Erfolg gehabt. Was er zugesagt hat, ist ohne Abstrich eingetroffen. Der Allmächtige selbst hatte den Sieg über die Ureinwohner Kanaans geschenkt. Deshalb erwartet er von Israel bedingungslose Treue. Jedes Abweichen von Gottes Wegen würde verheerende Folgen haben; es ist sogar möglich, dass dann das erworbene Land wieder verlorengeht.
Auf dem zweiten Landtag zu Sichem wird dem Volk noch einmal deutlich gemacht, was Gott seit Abrahams Erwählung bis zur Gegenwart alles gegeben hat. Nun ist die Zeit des Nomadentums für Israel vorbei; es ist ein Volk mit festem Besitz geworden. Einzelne besonders wichtige Ereignisse werden in lebendige Erinnerung gerufen. Für Josua steht die Antwort auf die göttlichen Segnungen fest: "Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen" (Vers 15). Das Volk schließt sich an. Erneut wird der Bund zwischen Gott und Israel bestätigt. Alle Abmachungen werden aufgeschrieben und ein Steinblock als Zeuge für das Geschehen aufgerichtet. Das Volk weiß: Eine gute Zukunft kann es nur geben, wenn es sich in den Bahnen des Vertrags hält, der mit Gott geschlossen wurde.
Folgerung für uns: Der Herr hat seinen Bund mit uns in der Taufe geschlossen. Durch sie ist uns die Erlösung geschenkt, die Jesus Christus mit seinem Kreuzestod für uns erworben hat. Nur deshalb werden wir im Gericht am Ende der Tage vor dem Allmächtigen bestehen. Wir zerbrechen Gottes Bund mit uns, wenn wir die Taufgnade verschleudern. Wir werden dann der Strafe des Herrn genauso verfallen, wie Josua es seinem Volk für den Fall der Untreue voraussagte und wie es später auch eingetroffen ist.
Wir wollen unser Leben unter Josuas Motto stellen: "Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen!"
Die Landnahme Israels - ein Abbild für die Errichtung des ewigen Gottesreichs
"Josua", das ist die hebräische Form des Namens "Jesus". Damit wird eine wichtige Beziehung deutlich.
Josuas Aufgabe war es, Israel ins verheißene Land zu führen und dort nach der langen Wanderung sesshaft zu machen. Auch die Gemeinde des Neuen Testaments befindet sich auf der Wanderschaft. Jesus hat sie durch sein Kreuzesleiden erlöst und ihr die Zusage gegeben, dass er am Ende der Welt zurückkehren und Gottes Reich für die Seinen aufrichten wird. So erwartet die Kirche seit Christi Himmelfahrt die Wiederkunft des Herrn.
Die Botschaft des Buches Josua hilft der Christenheit, in diesem Warten beständig auszuhalten. Gegen alles menschliche Rechnen wurden Gottes Zusagen an sein Volk Wirklichkeit - ebenso kann die neutestamentliche Gemeinde dessen gewiss sein, dass Jesu Verheißung des ewigen Lebens sich in seinem Reich der Herrlichkeit erfüllen wird. Sie braucht nicht zu zweifeln, wenn Leute auftreten, die ein Leben nach dem Tod bestreiten und den christlichen Glauben für "rückständig" erklären wollen.
Die Aussagen des Buches Josua und auch die weiteren Versprechungen Gottes, die sich im Lauf der Zeit erfüllt haben, schenken der christlichen Kirche die Gewissheit: Das Wort unseres Herrn ist zuverlässig und wird nicht gebrochen! Die Welt mit ihren Entdeckungen, Entwicklungen und Meinungen kann uns nicht erschrecken, denn wir wissen uns fest und sicher in Gottes Hand! Er führt jeden, der sich auf ihn verlässt, zu seinem ewigen Ziel.
Manche denken, das Alte Testament mit seiner Botschaft sei überholt. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade Josua macht deutlich, wieviel Hilfe wir darin für unsere Christusnachfolge finden können. Besonders nehmen wir wahr, wie Israel sein tägliches Leben unter Gottes Führung wusste. Diese Verbindung war so eng, wie es der Beter des 139. Psalms ausdrückt: "Siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das Du, Herr, nicht alles wissest. Von allen Seiten umgibst Du mich und hältst Deine Hand über mir" (Vers 4f).
Das kann zu einer beklemmenden Erkenntnis werden. Doch wenn dieser Herr unser Erlöser ist. dann handelt es sich um eine beglückende Einsicht. Und indem wir ihn im Abendmahl unter Brot und Wein empfangen, haben wir schon jetzt einen Vorgeschmack auf das ewige Reich Gottes, in dem die Wanderschaft seines Volks ihr gesegnetes Ziel finden soll.